Vom Kurs zur Kultur - Gesundheit als Weg der Organisationsentwicklung

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„Kümmert man sich in Ihrem Unternehmen um die Gesundheit der Mitarbeiter?“
„Ja, es gibt Kurse zum Autogenen Training, eine Rückenschule und Betriebssportgruppen. Und neuerdings Seminarangebote zum Umgang mit Stress.“
„Welche Auswirkungen haben diese Angebote auf Ihren Arbeitsalltag?“
„Keine.“*

Kommt Ihnen das bekannt vor? Spiegelt der Dialog ein Phänomen, das in deutschen Unternehmen häufiger anzutreffen ist? Gesundheit rückt für Unternehmen immer stärker in den Blickpunkt. Neben der wachsenden Zahl älterer Arbeitnehmer bedingt durch die demographische Entwicklung, fallen Mitarbeiter und Manager vermehrt aufgrund psychischer Krankheiten, Erschöpfungszustände und Burnout aus. Diese Entwicklung führt zu wachsender Besorgnis vieler Unternehmensleiter, gelten doch hohe Fehlzeitenquoten und mangelnde Produktivität durch gestresste, unzufriedene und halb kranke Mitarbeiter als Wachstumshemmnis und Nachteil im Wettbewerb.

Das Nischendasein, dass das Betriebliche Gesundheitsmanagement in deutschen Unternehmen lange führte, verändert sich mehr und mehr, Gesundheit ist zum unternehmerischen Erfolgsfaktor geworden, relevant für Manager wie Mitarbeiter gleichermaßen.

Doch wie steht es um den Erfolg der angebotenen Maßnahmen? Dem Yogakurs in der Mittagspause? Meditation für Manager? Der Rückenschule oder dem Anti-Stress-Seminar? Das obige Zitat lässt Zweifel an einer nachhaltigen Wirksamkeit aufkommen.

An sich gute und wichtige Angebote verpuffen schnell, wenn sie einzeln und ohne Bezug zum sonstigen Arbeitsumfeld angeboten werden. Sie sprechen meist nur einen Bruchteil der Belegschaft an und sind dann nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Entscheidend für einen nachhaltigen Erfolg hingegen ist ist ihre Einbindung in eine gesundheitsorientierte Unternehmenskultur, die weit über Mitarbeitersport und Entspannung hinaus geht.

Was heißt das? Das heißt, dass Gesundheit kein isolierter Bereich, sondern eine Querschnittfunktion durch das gesamte Unternehmen ist. Das heißt weiter, dass alle Arbeitsbereiche den Faktor Gesundheit einbinden, sich vernetzen und kooperieren, um mittel- und langfristig ein Bewusstsein für den Stellenwert und die Berechtigung gesundheitlicher Aspekte im Arbeitsalltag zu schaffen.

Gesundheit wird damit mehr zur Haltung, als zum Seminar- und Kursangebot. Sie wird zum Faktor der strategischen Organisationsentwicklung genauso wie zum Merkmal der gelebten Kultur Tag für Tag. Sie beeinflusst Kommunikation und Kantine, Kennzahlen und Kurse, Struktur und Kultur, Planung und Prozess.

So etwas geht nicht von heute auf morgen. Es gilt nicht, das Maximum aus den Mitarbeitern und Managern herauszupressen und mit Anti-Stress-Maßnahmen die schlimmsten Folgen abzumildern. Es gilt, unternehmerisch verantwortungsvoll und mit Wertschätzung zu handeln und Gesundheit in diesem Sinne zu fördern. Dazu bedarf es eines langfristigen Dialogs und vieler kleiner Schritte, die das Leistungsprinzip um das der Regeneration ergänzen. Aber es lohnt sich.

Vor dem Hintergrund immer schnellerer Marktveränderungen und sich wandelnder Anforderungen, ist Gesundheit der Veränderungsprozess überhaupt. Er muss kontinuierlich gestaltet, gehegt und gepflegt werden und wird so zu dem, was Manager schon heute von ihm erwarten: einem Erfolgs- und Zukunftsfaktor und eine solide Basis, um die Herausforderungen des Wettbewerbs gestärkt zu meistern.

Utopie? Längst Realität? Oder komplett anders? Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen, schildern Sie Beispiele aus der Praxis oder geben Sie weiterführende Hinweise und Anmerkungen. Ich freue mich auf einen Dialog!

*Auszug aus einem Gesundheitscoaching, Teilnehmer männlich, 51 Jahre, Teamleiter Elektroindustrie    

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